von Hannelore Brenner
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30. September 2025
Mit Entsetzen verfolge ich das Zeitgeschehen. Furchtbar und unfassbar das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023. Furchtbar und unfassbar, was danach geschah und bis heute geschieht. Islamisch geprägter Antisemitismus und Antizionismus verbinden sich seither in Deutschland, Europa und weltweit mit Antisemitismus aller Couleurs zu einem giftigen explosiven Gemisch, das sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben hat. Gewiss: Zwischen diesem "giftigen Gemisch" und Kritik an Netanjahus Antwort auf das Massaker vom 7. Oktober muss unterschieden werden. Was die in Israel lebende letzte Zeitzeugin der Gruppe der "Mädchen von Zimmer 28" Handa Drori über das Ziel unseres Erinnerungsprojektes schrieb, ist nicht nur an die Deutschen gerichtet. Als eines der Mädchen vom ‚Achtundzwanziger‘– so haben wir damals unser Zimmer genannt – hoffe ich, dass unser Projekt sein Ziel erreicht. Für uns ist dies aus zwei Gründen wichtig: Zum einen, damit die Mädchen, die mit uns im Zimmer 28 gelebt haben und aus den Konzentrationslagern nicht zurück gekommen sind, nicht vergessen werden. Zum anderen als Mahnung für die nächsten Generationen und als Beispiel dafür, wie leicht ein neuer Holocaust geschehen könnte, wenn gutwillige Menschen zu gleichgültig sind und es hasserfüllten Fanatikern erlauben, an die Macht zu kommen. Keiner meiner israelischen Freunde jubelt über die Politik Netanjahus. Es herrscht Fassungslosigkeit und Ratlosigkeit, es gibt Proteste, Demonstrationen, Widerstand. Sie wünschen sich nur eines: Dass die Geiseln befreit werden, dass der Krieg zu Ende geht und endlich Frieden einkehrt - für alle. Den Weg dorthin, wer kennt ihn? Furchtbar und unfassbar, dass der mörderische Hass und Terror der Hamas weltweit so viel Zuspruch findet und in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist, sie radikalisiert und aus den Angeln zu heben droht. Die Feinde Israels schüren das Feuer, machen jüdische Menschen auf der ganzen Welt dafür verantwortlich, dass es zu einem schrecklichen Krieg in Gaza kam. Niemand hat nach 7. Oktober pauschal PalästinenserInnen oder Menschen mit Wurzeln in Palästina, ob sie nun einen deutschen, französischen oder amerikanischen Pass haben, für das Massaker am 7. Oktober 2023 verantwortlich gemacht. Da bleibt die kollektive Schuldzuweisung, die Sippenhaft aus. Es gibt keinen "Anti-Palästinenzismus". Aber Antisemitismus gibt es. Immer noch. Auch in Deutschland - trotz gründlicher deutscher Aufarbeitung der Geschichte. Trotz gründlicher gut gemeinter Holocaust-Erinnerungskultur. In Sorge denke ich an meine jungen jüdischen Freunde, die in Deutschland leben. Und ich denke an "Die Mädchen von Zimmer 28"- wie würde es ihnen heute ergehen? Was würden sie mir sagen???? Ich höre ihre Stimmen, es wühlt mich auf... Und schmerzt mich zu Tränen.